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Offizielles Verbot vs. Selinas Birthday Party 3.0

by discussIT

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Ganz Facebook ist besetzt. Ganz Facebook? Nein! Ein kleines Dorf widerspenstiger Bürger und Beamter leistet immer noch erbitterten Widerstand....

 

Mittlerweile hat der Landkreis Landsberg durch Herrn Eichner beschlossen „alle Aktionen einzelner Personen bzw. Personengruppen, die zur Vorbereitung, zur Durchführung oder als Bestandteil einer sogenannten Facebook Party geplant oder dieser zuzurechnen sind, verboten“ (Allgemeinverfügung des Landratsamtes Landsberg, 2012/06/14). Ebenso nutzen die Polizei und das BKA ihren Einfluss aus und versuchen diese Veranstaltung zu unterbinden.

 

Ganz Kaufering ist besetzt. Ganz Kaufering? Nein! Ein kleines Dorf widerspenstiger Facebookianer leistet immer noch erbitterten Widerstand....

 

Auf der gegnerischen Seite formiert sich eine Heilige Allianz der Jugend, die von diesem Schaukelspiel genauso herausgefordert wird. Zu ihren Waffen zählen unter anderen die digitale Vernetzung, aber auch das enorm hohe sog. Humankapital.

 

Die gemeinsame Front liegt in einem kleinen Dorf und handelt von der Sage um ein kleines Mädchen, dass nicht so sein wollte wie alle anderen. Wieder einmal begann ein friedlicher Tag in dem kleinen germanischen Dorf, dessen Bewohner vor nichts Angst haben, außer dass ihnen Facebook auf den Kopf fällt. So zeigte sich die Sonne, und es zwitscherte: „Nimmt ruhig noch leute  & ladet eure freunde [sic!] ein! Soll voll werden ;) […] hoffentlich ham alle HANGOVERRR [sic!] ;) :P“ (offizielle Beschreibung). Dies ist der Ansatz einer gewollten sozialen Integrationsmaßname, der unser Mädchen mit Hilfe diversen Mitteln zur gewünschten Aufmerksamkeit zu verhelfen versuchte. Als aber ihr Freundeskreis und dessen Freundeskreis ihr – in vollkommener Ektase -ein paar Freunde schenkten, erschrak die ganze Öffentlichkeit (und sie selbst). Seit diesem Tag an wird der Krieg um die Veranstaltung mit den härtesten Mitteln (Zensur vs. propagandistische Missionierung) geführt.

 

Für die Jünger des Mädchen steht fest, dass ihr Geburtstag im „epischen Ausmaße“ (aus einem Facebook-Kommentar) zelebriert werden muss – immer häufiger taucht der Vergleich mit Project X, einem US-amerikanischen Kinofilm mit einer vernichtenden Zerstörungsparty in und in der Nähe des Hauses des feiernden 17-jährigen Protagonisten. Die Maxime liegt hier auf der Erlangung eines maximalen Spaßfaktors.

 

Verängstigt durch „Thessas Sweet Sixteen“ (2012/06/03) und die Wutbürger (ebenfalls 2011) befürchten die Anwohner und Behörden katastrophale, monetäre Verluste für den Landkreis und somit auch für den Steuerzahler. Die wichtigste Aufgabe liegt hier bei der Prävention und Eindämmung des Virus.

 

Mit dem totalen und endgültigen Verbot „einer sogenannten Facebook Party“ (siehe oben) zog nun das Landratsamt Landsberg auf Grund der „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“ seine letzte Option.

 

Das Hauptproblem des Konfliktes ist das Aufeinandertreffen der jungen und alten Generation, ein Prozess der so alt ist, wie die ältesten Chroniken es beweisen können. Die aktive Jugend befindet sich in ihrer postpubertären Phase, in welcher eine Auflehnung gegen das Alte stattfindet. Durch den Beginn des Cyber-Zeitalters rückt nun die ganze Welt viel näher zusammen und gibt der Massenveranstaltung oder der spontanen Version, dem Flashmob, eine Entstehungsgrundlage. Hier wird die Versammlungsfreiheit, die jedem Deutschen durch das Grundgesetz gewährt wird, in eine bisher noch nicht vorhandene Problematik einbezogen: der Veranstalter ist lediglich eine Person, die eine Version der Veranstaltung aufgenommen hat. Natürlich wird er damit auch zum richtigen Veranstalter - die Ausbildung einer Schwarmdynamik entzieht ihm aber die Kontrolle über die Veranstaltung und macht jeden Gast zu einem Werbeträger oder sogar öfters zu einem neuen Veranstalter. Ein weiteres Problem ist die offene Rechtsauffassung einer betrunkenen, beträchtlich viel Platz einnehmenden Menge, die aus diesem Grunde sich kein Mensch vor seiner Haustür wünscht.

 

Meiner Meinung nach ist eben dieser, in der Vergangenheit entstandene, negative Ruf der Massenveranstaltung der Hauptgrund für die ablehnende Haltung der Legislative. Nehmen wir einmal an, wir würde Interesse daran hegen eine Brücke zwischen den beiden Streitparteien aufzubauen. Was würdest du dafür tun?

 

Wie kann man das Nicht-Entstehen von Schaden mit der Einsicht verbinden, dass eine solch große Masse an Personen weder kontrollierbar noch zu allen Teilen friedlich seien wird? Kooperation und Zusammenarbeit ist für mich die einzige versöhnliche Möglichkeit, aber natürlich kann man den Circulus vitiosus noch weiter drehen. Zusammenarbeit ist nicht ein Allheilmittel für ein besseres Verständnis der Jugend für das Alte et vice versa, aber es könnte einen vernünftigen Ausgang dieses Streites und auch der Zukünftigen ermöglichen. Ich habe „könnte“ bewusst gewählt, denn Zusammenarbeit hängt von den Bemühungen des Einzelnen ab. Der Thessa-Effekt vergrößerte bisher lediglich die Kassen einiger Fanutensilien Verkäufer und der prinzipiell nachrichtenfreudigen Medien. Meines Wissens plant der Staat nicht von der Veranstaltung zu profitieren, weswegen er den Konvent auch mit aller Härte verhindern will, obwohl ihm auch diese unsichere Abwehr sehr teuer kommen wird. Was wäre nun, wenn durch Zusammenarbeit ein Weg gefunden werden würde, der nicht nur die Interessen aller vier Parteien (Staat, Mädchen, Anwohner, Anhänger) wahren würde, sondern sogar ein „Happy End“ aufweisen würde?

 

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